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Brigitte Schwacke
"Zeiträume"
Dreidimensionale Raumzeichnungen

 

Eine Ausstellung im Augustinermuseum Rattenberg
1. Mai bis 9. Oktober 2011



Die Ausstellung im Augustinermuseum Rattenberg ist in drei Bereiche gegliedert und auf den Kreuzgang, die Hofer-Kapelle und den eigentlichen Ausstellungsraum des Museums aufgeteilt.

Erste Annäherung:

Brigitte Schwacke zeichnet im Raum. Aber ihr Zeichenmedium sind nicht Bleistift und Papier, sondern dünner Draht, den sie zu feinen, zarten Plastiken, so genannten "dreidimensionalen Raumzeichnungen" formt.
Wenn man Räume mit Arbeiten von Brigitte Schwacke betritt, hat man im ersten Moment den Eindruck, sie wären leer. Erst nach und nach nimmt man zarte flüchtig-dünne Linien wahr, die sich zu Raumkörpern verbinden und sich von eindimensionalen Linien zu Volumen entwickeln, welche nach und nach eigenen Raum beanspruchen und behaupten.

Das Verhältnis von (Um)Raum und Skulptur:

Man kann bei den Arbeiten Brigitte Schwackes nie genau sagen, wo die Skulptur beginnt und der Umraum endet bzw. umgekehrt. Künstlerisches Prinzip ist es, die Grenze zwischen Skulptur und Umgebung aufzulösen. Es gibt keine Grenze zwischen umgebendem Raum und der Skulptur. Der Raum ist in gewisser Weise die Skulptur, der durch die Drahtstruktur sein Gefüge und seine Form erhält.
Schwacke arbeitet demnach immer an und mit Schnittstellen, aber nicht im Sinn von scharfen, eindeutigen eben "geschnittenen" Grenzen, sondern im Gegenteil, sie löst diese auf, verschleift sie, schafft eher diffuse Übergangsbereiche zwischen Umraum, Skulpturraum und dem als Raumzeichnung formuliertem Gerüst

Differenz zur "klassischen" Skulptur:

Durch diese Haltung nimmt sie eine entschiedene Gegenposition zur klassischen Auffassung von Skulptur mit ihren massiven Objekten, bspw. zu Stein- oder Bronzeplastiken ein, wo die Grenze zwischen Umraum und Skulptur eindeutig und unzweifelhaft ist. Im Augustinermuseum wird diese Gegenposition schnell verständlich durch den unmittelbaren Vergleich mit den gotischen und barocken Plastiken der Dauerausstellung in Kirche und Kreuzgang.

Der Faktor "Zeit":

Ein weiterer wichtiger Aspekt in den Arbeiten von BS ist die Zeit. Der Faktor Zeit ist mit jenem der Bewegung untrennbar verbunden und dieser wiederum mit dem Begriff des Fragmentarischen. Ohne Bewegung ist der Zeitbegriff obsolet und in der Bewegung liegt immer Veränderung, somit Unvollständigkeit.
In Schwackes Arbeiten ist das Fragmentarische offensichtlich. Sie sind in ständigem Fluss. Sie erwecken den Eindruck, als wären sie entweder auf dem Weg zur vollständigen Auflösung oder - je nachdem, welchen Standpunkt man einnimmt - zur Materialisation. Ihre „Unvollständigkeit“ ist von einer Art formaler und inhaltlicher Offenheit, die den Betrachter zwingt, die Vervollständigung selbst vorzunehmen, in seiner Vorstellung die fehlenden Teile zu ergänzen und die leeren Bereiche zu füllen. Der Betrachter wird somit zum aktiven Mitgestalter des Kunstwerkes und selten hat der Satz „Die Kunst liegt im Auge des Betrachters“ eine so große Berechtigung gehabt, wie hier.

Inhalte:

Brigitte Schwackes Kunst ist in ihrer Form und in Ihrem Ausdruck zwar sehr reduziert und minimalistisch, aber deswegen keineswegs abstrakt. Schwacke ist keine abstrakte Künstlerin. Ihre Arbeiten sind aber auch nicht realitätsabbildend, sondern nehmen eine seltsame Zwischenstellung ein, verweisen sie doch immer auf konkrete Gegenstände und Dinge. Sie sind individuell interpretierbar, inhaltlich aber trotzdem nicht beliebig.

Brigitte Schwackes Kernthema ist im weitesten Sinne des Wortes der „Kosmos“: Im Ausstellungsraum des Museums der innere Kosmos, die innere Welt des Menschen und seiner Organe, in der Hoferkapelle, der Makrokosmos, die Welt der Himmelskörper und der Asteroiden und im Kreuzgang der subjektive, sehr intim-persönliche Kosmos, die eigene Befindlichkeit, dargestellt durch kleine Objekte in fünf Tischvitrinen.

Hermann Drexel

***

Annäherung an Brigitte Schwacke

Brigitte Schwacke im Gespräch

HD:
Frau Schwacke, das von Ihnen bevorzugte Material für Ihre Arbeiten ist dünner Draht. Können Sie kurz beschreiben, wie Sie dieses Material einsetzen und verwenden?

BS:
Ich versuche, mit Draht im Raum zu zeichnen, so dass daraus Skulpturen entstehen, allerdings andere, als sie der traditionelle Skulpturenbegriff beschreibt. Gleich zu Anfang muss ich bemerken, dass meine Vorgehensweise immer eine dreidimensionale ist. Ich habe Bildhauerei studiert und mein Hauptaugenmerk gilt immer der Perspektive, dem dreidimensionalen Zeichnen im Raum. Mein Ausgangspunkt ist demnach nicht eine zweidimensionale Zeichnung auf Papier, quasi eine Art Entwurfskizze, die dann in die dritte Dimension transportiert wird, sondern von Anfang an ein dreidimensionales Konzept, das mit Draht realisiert wird und durch die verwendeten Materialien und deren visueller Wirkung den Eindruck der Zeichnung erweckt. Ich beginne meine Raumzeichnungen, indem ich direkt mit dem Draht arbeite. Ich nehme sehr lange Drähte, die ich miteinander verknüpfe, wodurch ein gitterartiges Gebilde entsteht, das dann umrisshaft Körper beschreibt. Den Formfindungsprozess begreife ich immer als einen interaktiven Prozess zwischen einer Vorstellung und der entstehenden Arbeit.

HD:
Das Ergebnis ist demnach auch für Sie immer offen oder vielleicht sogar überraschend?

BS:
Nicht im Sinne von zufällig, aber was genau dabei heraus kommt, da gibt es innerhalb des Werkprozesses immer Abweichungen und Überraschungen. Es bedarf also einer Offenheit, die ich auch beibehalten möchte. Das ist aber bei jeder Arbeit unterschiedlich. Unabdingbar braucht ein solcher Prozess jedoch viel Zeit und eine tragende Idee.

HD:
Was hat Sie bewogen, Künstlerin – Bildhauerin - zu werden?

BS:
Skulptur hat mich immer interessiert, aber ich kann nicht sagen, dass ich von Kindheit an schon Künstlerin werden wollte. Das hat sich Schritt für Schritt in meinem Leben entwickelt, auch in ständiger Bezugnahme auf meine persönlichen Lebenserfahrungen, die in meinen Arbeiten ihren Niederschlag gefunden haben. Ich habe erkannt, dass man die Dinge nicht festhalten kann. Alle meine Arbeiten sind ihrem Wesen nach fragmentarisch, flüchtig, haben eine Tendenz, sich zu verdichten um sich dann wieder aufzulösen, sie behaupten ihren Platz im Raum nicht wie eine klassische Skulptur durch Masse.

HD:
Was bei Ihren Arbeiten auffällt, ist, dass es keine wirkliche Trennung zwischen Skulptur und Umraum gibt. Dass der Großteil Ihrer Skulpturen eigentlich aus Luft besteht. Ist das eines ihrer künstlerisches Prinzipien, die Grenze zwischen Skulptur und Umgebung aufzulösen ? Was bedeutet für Sie "Skulptur"?

BS:
Skulptur ist für mich in erster Linie eine gegenseitige Durchdringung von Objekt und Raum, dass man die Arbeiten umschreiten kann, aber auch, dass sie trotz plastischem Volumen transparent sind, allansichtig, ohne Masse und Gewicht.... meiner Meinung nach ist dies eine Erweiterung in der Auffassung und Entwicklung von Skulptur. Meine Arbeiten nehmen also eine gegensätzliche Position gegenüber klassisch-massiven Skulpturen ein, bei denen es eine präzise eindeutig definierte Grenze zwischen Objekt und Umraum gibt. Meine bildhauerische Intention ist nicht die Besetzung oder Verdrängen von Raum, sondern das aktive Einbinden desselben. Der Raum wird selbst Teil der Skulptur.
Ich möchte keine Skulpturen bauen, die einen festen Kern und eine eindeutige Begrenzung, eine definierbare äußere Hülle haben. Das ist ganz wesentlich. Es gibt ein Kernfragment aus verdichteten Drahtlinien, aber dann setzen sich diese Linien im Raum fort. Zu einer so definierten Skulptur gehört nicht nur dieser innere Körper, sondern auch deren Umraum. Alles Gebaute ist im Verhältnis zu dem daneben Befindlichen zu sehen. Das interessiert mich und deshalb ist die Installation in der Hofer-Kapelle so spannend für mich. Diese Arbeiten mit ihren Tentakeln stehen einerseits untereinander in Beziehung, aber auch in Beziehung zum Kapellenraum, was genauso wichtig ist. All das gehört zusammen, und ich versuche, alles ins richtige Verhältnis zu bringen.

HD:
Stichwort Hofer-Kapelle. Sie haben dort fünf verschieden große Objekte installiert, Asteroiden einer "Hirayama-Familie". Ob man nun will oder nicht, durch den Umstand, dass sie sich in einer gotischen Kapelle befinden, stehen sie mit ihrer Umgebung nicht nur in einer räumlich -skulpturalen, sondern auch in einer historisch-religiösen Beziehung. Wie war für Sie das Arbeiten in einem solchen Umfeld? War es schwierig oder problematisch, in oder - anders gesagt - mit einem solchen Raum zu arbeiten, der sowohl eine starke architektonische als auch inhaltliche Präsenz hat?

BS:
Hochgradig spannend. Die Hofer-Kapelle mit ihrer gotischen Struktur ist etwas, das mir sehr nah ist, das klingt in mir, dass mag ich sehr. Aber es sind natürlich total andere Bedingungen, als wenn man in einem "withe cube" arbeiten würde. Dort stehen die Drähte wie Grafitlinien im Raum. In der Hofer-Kapelle war das ein Experiment, da die Linien vor dem Hintergrund des geschlemmten Steins nicht so klar hervortreten, sondern oft beinahe verschwinden bzw. sich mit der Kapellenarchitektur überlagern. Die Arbeiten stehen nicht dominant im Raum und auf den ersten Blick nimmt man gar nicht alle Details wahr. So taucht meine Arbeit dort erst langsam mit der genauen Wahrnehmung des Betrachters auf. Denn der Raum erscheint im ersten Moment leer. Es ist aber trotzdem etwas drinnen. Das Arbeiten mit diesem scheinbar widersprüchlichen Grenzbereich war für mich eine große Herausforderung.

HD:
Auf welche Weise hat der inhaltliche Kontext der Hofer-Kapelle ihre Arbeit mitbestimmt?
Bei den Objekten handelt es sich um Asteroiden. Wenn die nun in einem solchen - also religiösen - Kontext stehen, ändert sich dann für Sie persönlich auch der Inhalt ?

BS:
Das war ein Experiment und ein gewisses Risiko, mit einem auch für mich überraschenden Ergebnis. Man musste mit der Installation ja auch auf die Kapelle eingehen und versuchen, innerhalb dieses durchaus besetzten Raumes eine Art von "Kosmos" zu bauen. Ich fand schon, dass da für mich eine neue Dimension dazugekommen ist, als ob zwei Weltbilder aufeinander treffen würden. Wichtig war mir, ein fragiles Gleichgewicht zwischen dem Sakralraum und meiner Installation herzustellen und ich hoffe, dass ich den Raum mit meiner Installation zwar bereichert, aber nicht besetzt habe. Beide Bereiche sollen miteinander atmen können.

HD:
Würden Sie sagen, dass durch die gegenseitige Durchdringung von Raum und Skulptur ein neues Werk entsteht, eines, das es vorher so noch nicht gab und das auch als solches beschrieben werden muss? Der Kapellenraum verändert ja nicht nur die Sichtweise auf die Objekte, sondern diese beeinflussen ja ihrerseits die Interpretation des Kapellenraumes.

BS:
Das ist bei meinen Arbeiten immer so! Eine solche Situation war dennoch ein Wagnis, weil der Raum ja auch so dominant hätte sein können, dass er alles andere verschluckt oder dass er alles in seine eigene Ikonografie übersetzt, meine Arbeiten quasi vereinnahmt und sich inhaltlich aneignet. Aber genau das war das Spannende an dem Projekt, dass man nicht wusste, wie sehr das eine das andere beeinflusst, ob das eine das andere dominiert oder ob sich eine Dialog, eine Art Gleichgewicht herstellen lässt. Beide Welten haben jetzt eine gemeinsame Schnittstelle und durchdringen sich.

HD:
In Ihren Arbeiten spielen auch zeitliche Prozesse eine große Rolle. Man hat den Eindruck die Objekte wären in ständiger Bewegung, verändern pausenlos ihre Erscheinung und sind nur in dem Moment, wo man das Augenmerk auf sie lenkt, vorübergehend erstarrt. Besonders augenscheinlich wird das bei den beiden wirbelsäulenartigen Skulpturen im Hauptausstellungsraum ("Unicorn" und "ohne Titel"). Hier spürt man das Krabbeln, die Veränderung, das Unterwegssein über die Fläche geradezu körperlich.

BS:
Was total wichtig ist: die Skulpturen selbst bewegen sich nicht. Das, was Sie eben beschrieben haben, passiert im Kopf des Betrachters, hervorgerufen durch die offenen Enden der Skulpturen. Die Wahrnehmung von Zeit ist den Werken immanent.

HD:
Wir haben nun zwei Begriffe besprochen, Zeit und Raum, die in Ihrem künstlerischen Schaffen einen hohen Stellenwert einnehmen. Das führt uns zu einem Thema, das Sie ja auch in und mit Ihrer Arbeit in der Hofer-Kapelle direkt ansprechen, nämlich das Thema "Kosmos, Universum und Himmelskörper". Interessiert Sie dieses Thema auch außerhalb ihrer
bildhauerischen Tätigkeit?

BS:
Das interessiert mich, seit ich Kind bin. Da gibt es Skizzenbücher, Fotos und Zeitungsausschnitte, welche die Neuerungen unserer Weltsicht oder die Fortschritte in der Physik und der Kosmologie zum Gegenstand haben. Das sind Dinge, wo ich ganz hellhörig werde. Wenn ich ein neues Projekt beginne, besuche ich vorher die Physik -und die Chemieabteilung im Deutschen Museum in München. Das inspiriert mich sehr. Ich staune immer wieder über das, was eigentlich nicht greifbar ist und was eine unendliche Dimension hat...... das sich unendlich ausdehnende Universum. Und da muss ich nochmals auf die Hofer-Kapelle zurückkommen. Wir haben gesagt, diese Kapelle bildet den Umraum einer Installation, das Fragment einer Idee von Himmelskörpern, die da schweben, und die gotische Architektur gibt dem Ganzen seinen Halt. Aber gedanklich könnten diese schwerelosen Objekte über den Kapellenraum hinausgehen, sodass diese Kapelle zu einem Punkt in der Zeit wird, der diese zwei Weltsichten verbindet.

HD:
Welche zwei Weltsichten meinen Sie ? Meinen Sie Wissenschaft und Religion, Physik und Metaphysik ?

BS:
Mich interessiert, was macht den Menschen aus und in welchem Verhältnis zur Welt leben wir. Deshalb habe ich zu Beginn meiner künstlerischen Auseinandersetzung mit dreidimensionalen Raumzeichnungen genau dort angesetzt. Der Torso (1986) im Ausstellungshauptraum ist der erste Torso, den ich gemacht habe. Er entstand am Ende meiner Studienzeit und ich habe ihn in der Münchner Glyptothek einem griechischen Kuros gegenübergestellt.

HD:
Die letzte Arbeit Ihrer Ausbildung ist programmatisch geworden für die weitere
künstlerische Tätigkeit ?

BS:
Wegweisend

HD:
War das die erste Arbeit aus Draht ?

BS:
Ja

HD:
Was hat Sie dazu bewogen, für diese Skulptur Draht zu verwenden ? Wie schauen Ihre früheren Arbeiten aus ?

BS:
Ich habe immer an Schnittstellen zwischen Innen und Außen gearbeitet. Ich habe Eisen geschweißt und getrieben, dann habe ich Gerüste gebaut und mit Papier bespannt, habe in der Akademie selber Papier hergestellt und plastisch bearbeitet. Meine Arbeiten sind dabei immer leichter geworden. Dann habe ich erkannt, dass meine Skulpturen viel klarer und näher an dem sind, was ich mit ihnen sagen möchte, wenn man das Papier weg lässt, also auf die oberflächenbestimmende "Haut" verzichtet.
Vom "Torso" bin ich weiter in den Innenraum des Menschen vorgedrungen. Da gab es dann verschiedene Entwicklungsschritte. Die Arbeit "Herz(stück)" aus dem Jahr 2001 ist eine ganz wesentliche in meinem Oevre. Ein Herz darzustellen ist heikel. Wichtig war mir dabei die Reduzierung der gestalterischen Mittel auf ein Mindestmaß, gerade mal soviel, um die Funktionen und die organischen Details eines Herzen noch beschreiben zu können. Dann kam das Gehirn ("Wunschdenken",2004), dann der Lungenbereich ("Atempause", 2004). Arbeiten, die von ihrer anatomischen Funktion gelöst, umrisshaft und schwerelos sind und bei denen die Frage nach dem was uns ausmacht präsent ist.

HD:
Sie stellen die Frage "Was macht uns aus ?", und zeigen uns in Ihren Arbeiten "medizinische Zeichnungen", künstlerisch umgesetzt zwar, aber doch auf Biologie, Chemie und Physik reduziert. Ist Ihre Antwort demnach eine rein rationalistisch- naturwissenschaftliche ?

BS:
Nein. Ich glaube, dass es Dinge gibt, die mehr sind, als das, was wir wahrnehmen, aber was das ist, kann ich nicht sagen oder schlüssig beantworten. Aber es ist eine Frage, der ich mit und durch meine Arbeiten näher zu kommen hoffe. Es geht mir in meinen Arbeiten mehr um eine Beschäftigung mit diesem Thema und nicht um eine Antwortfindung im Sinne einer unanfechtbaren Wahrheit.

HD:
Gibt es eine konkrete Richtung oder Sichtweise, wie sie Ihre Arbeiten interpretiert wissen wollen ?


BS:
Nein. Ich habe mein Anliegen, aber wenn eine Arbeit fertig ist, hat sie ihr eigenes Leben. Das einzige, was ich hoffe, ist, dass sie jemanden berührt.
Ich möchte aber keine Richtung vorgeben. Die Interpretation ist frei, sie soll auch unkalkulierbar bleiben, gleich wie die Reaktionen der Betrachter ausfallen.

HD:
Ein fiktiver Betrachter gibt folgende Stellungsnahmen zu Ihrer Kunst ab: "Diese Arbeiten finde ich abscheulich" oder "Diese Arbeiten lassen mich gleichgültig". Welche ist ihnen lieber.

BS:
In diesem Fall bevorzuge ich die heftige Reaktion der Ablehnung, weil sie, wie auch die Begeisterung, eine zutiefst menschliche Eigenschaft ist und ich dadurch sehe, dass meine Kunst diesen Menschen bewegt und emotional berührt hat, wenn auch auf negative Weise.

HD:
Gleichgültigkeit ist auch eine menschliche Eigenschaft

BS:
Ja, aber die schrecklichste.

HD:
Frau Schwacke, ich danke Ihnen für das Gespräch

Das Gespräch mit Brigitte Schwacke führte Hermann Drexel, Kustos am Augustinermuseum Rattenberg

***

 

 

Aus der Reihe Hirayama Family, vierteilige Installation (Detail), legierter Draht, 2005/2011

Aus der Reihe Hirayama Family, vierteilige Installation (Detail), legierter Draht, 2005/2011

 

Von kurzer Dauer III 2007, legierter Draht ca. 120 x 45 x 30 cm

Von kurzer Dauer III 2007, legierter Draht ca. 120 x 45 x 30 cm

 

Herz(stück) 2001, legierter Draht ca. 110 x 55 x 110 cm

Herz(stück) 2001, legierter Draht ca. 110 x 55 x 110 cm

 

Unicorn II 2008, legierter Draht ca. 50 x 100 x50 cm

Unicorn II 2008, legierter Draht ca. 50 x 100 x50 cm

 

Ohne Titel 2008, legierter Draht ca. 170 x 70 x 40 cm

Ohne Titel 2008, legierter Draht ca. 170 x 70 x 40 cm

 

Ohne Titel 2008, legierter Draht ca. 170 x 70 x 40 cm

Ohne Titel 2008, legierter Draht ca. 170 x 70 x 40 cm

 

Unicorn III 2008, legierter Draht 70 x 220 x 45 cm

Unicorn III 2008, legierter Draht 70 x 220 x 45 cm

 

Wunschdenken 2004, legierter Draht ca. 110 x  30 x 45 cm

Wunschdenken 2004, legierter Draht ca. 110 x 30 x 45 cm

 

Atempause (Detail) 2004, legierter Draht ca. 160 x 160 x 80 cm

Atempause (Detail) 2004, legierter Draht ca. 160 x 160 x 80 cm

 

Ohne Titel 1996, legierter Draht 2 tlg. Ca. 65 x 50 x 28 cm

Ohne Titel 1996, legierter Draht 2 tlg. Ca. 65 x 50 x 28 cm

 

Ohne Titel (Torso) 1996, Draht ca. 200 x 110 x 40

Ohne Titel (Torso) 1996, Draht ca. 200 x 110 x 40

 

Ohne Titel (Torso) 1996, Draht ca. 200 x 110 x 40

Ohne Titel (Torso) 1996, Draht ca. 200 x 110 x 40

 

Dina 4 (fünf Wochen), legierter Draht, gehäkelt 5 tlg. Je ca. 29,5 x 21 x 3 cm

Dina 4 (fünf Wochen), legierter Draht, gehäkelt 5 tlg. Je ca. 29,5 x 21 x 3 cm

 

Von kurzer Dauer III?2007, legierter Draht?ca. 120 x 45 x 30 cm

Ohne Titel, 1998, Graphitblock, 44 x 13 x 6 cm

 

Zeitraum, 2011, legierter Draht, ca. 7 x 7 x 8 cm

Zeitraum, 2011, legierter Draht, ca. 7 x 7 x 8 cm

 

Ohne Wiederkehr, Grafit, 2006

Ohne Wiederkehr, Grafit, 2006

 

beidhändig/gleichzeitig (Vorder- und Rückseite), 1999, Schiefer

beidhändig/gleichzeitig (Vorder- und Rückseite), 1999, Schiefer

 

Unendlich, 1999, legierter Draht, ca. 16 x 9 x 12 cm

Unendlich, 1999, legierter Draht, ca. 16 x 9 x 12 cm

 

Filamente (Detail), 2011, Tusche, legierter Draht, Papier, 50 x 35 x 2 cm

Filamente (Detail), 2011, Tusche, legierter Draht, Papier, 50 x 35 x 2 cm

 

Filamente (Detail), 2011, Tusche, legierter Draht, Papier, 50 x 35 x 2 cm

Filamente (Detail), 2011, Tusche, legierter Draht, Papier, 50 x 35 x 2 cm

 

Ohne Titel, legierter Draht, 2010, 35 x 25 x 2 cm

Ohne Titel, legierter Draht, 2010, 35 x 25 x 2 cm

 

Ohne Titel, legierter Draht, 2010, 35 x 25 x 2 cm

Ohne Titel, legierter Draht, 2010, 35 x 25 x 2 cm

 

Ohne Titel, legierter Draht, 2011, 35 x 25 x 2 cm

Ohne Titel, legierter Draht, 2011, 35 x 25 x 2 cm

 

Magnetzeichnungen, Ohne Titel, 1996, Graphit, Papier, Prägung

Magnetzeichnungen, Ohne Titel, 1996, Graphit, Papier, Prägung

 

***

Brigitte Schwacke: Kurzbiografie

1957 geb. in Marl, Ruhrgebiet

1983-88 Akademie der Bildenden Künste München, Meisterschülerin bei Sir Eduardo Paolozzi

1991-92 DAAD – Großbritannien, Royal College of Art
Research Assistant Slade School of Fine Art London

1996-99 Assistentin am Lehrstuhl für Freie Bildhauerei bei Christina Iglesias, Akademie der Bildenden Künste München

Zwischen 2004 und 2009: zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u.a. Kunstpreis der Diözese Rottenburg(2004), Lothar-Fischer-Preis (2009)

Zwischen 1988 und 2010 zwanzig Einzelausstellungen, zahlreiche
Gruppenausstellungen

Zahlreiche Arbeiten im Öffentlichen Raum, z.B. die 2008 entstandene Arbeit am Neuen Biozentrum der Ludwig-Maximiliansuniversität in München

Die Künstlerin lebt und arbeitet in München.

 

 
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